· Arjun Rai Gupta · Veranstaltungen · 6 Min. Lesezeit
Ausbilder gestalten mit: Train-the-Trainer-Workshop an der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Maintal
Zum Auftakt der Weiterbildungswoche der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik in Maintal haben Ausbilder aus verschiedenen Standorten die XR2ACH-Lernumgebung einen Tag lang erprobt und gemeinsam überlegt, wo immersive Lerninhalte in der überbetrieblichen Lehrunterweisung ihren Platz finden.

Die Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik ist das Bildungszentrum der Landesinnung Kälte-Klima-Technik Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg. Am 28. September 2026 begann an ihrem Hauptsitz in Maintal die Weiterbildungswoche für ihre Ausbilder, mit mehr als acht Ausbildern aus verschiedenen Standorten. Robert Heß, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der praktischen Berufsbildung, hatte das InnoVET PLUS-Projekt XR2ACH eingeladen und uns den gesamten ersten Tag der Woche zur Verfügung gestellt, und damit die wertvolle Zeit der Ausbilder. Dafür ein herzliches Dankeschön!
Wir saßen in einem Raum voller Übungsanlagen, die für den neuen überbetrieblichen Lehrgang zu Wärmepumpen (KK7) aufgebaut wurden. Ein passender Ort, um über die Zukunft der Ausbildung zu sprechen.
Von der Didaktik zur Lernreise
Der Tag begann mit einem kurzen Überblick über das Projekt: warum es XR2ACH gibt und wo wir heute stehen. Danach ging es um die didaktische Seite: Wie lassen sich immersive Medien sinnvoll in die Ausbildung einbinden?
Dazu haben wir die Typen virtueller Lernumgebungen vorgestellt, wie sie Weise und Zender beschreiben, und sie den kognitiven Prozessen und Wissensarten der überarbeiteten Lernzieltaxonomie nach Bloom (Anderson und Krathwohl) zugeordnet. Als Grundlage diente die Übersicht aus der Studie „AR and VR Meet Boiler Suits“ von Beckmann, Menke und Weber (2018), die genau diese Zuordnung für Trainings im SHK- und Kältehandwerk vornimmt. Diese Begriffe waren den Ausbildern vertraut. So konnten sie ihre eigene Expertise unmittelbar auf virtuelle Lernumgebungen übertragen.
Anschließend haben wir gezeigt, wie sich die Funktionen der XR2ACH-App diesen Typen zuordnen lassen:
- Darstellend (expositorisch): Der Ausbilder führt durch Inhalte in einer festen Reihenfolge, zum Beispiel wenn er ein Verdichtermodell im gemeinsamen virtuellen Raum der ganzen Gruppe erklärt.
- Entdeckend (explorativ): Die Auszubildenden erkunden ein Modell oder eine Anlage in eigenem Tempo und eigener Reihenfolge. Das fördert Verstehen und Faktenwissen, etwa beim freien Erkunden der CAD-Modelle.
- Trainierend: Abläufe werden Schritt für Schritt geübt, mit Hilfestellung und direkter Rückmeldung. Das ist prozedurales Wissen, wie in der Lecksuche oder der Inbetriebnahme.
- Experimentell: In Simulationen lassen sich Parameter verändern, um Ursache und Wirkung zu verstehen, etwa wie sich ein Fehler durch die Anlage zieht.
- Konstruierend: Die Auszubildenden vertiefen ihr Wissen, indem sie selbst etwas erschaffen, zum Beispiel einen Verdichter aus Einzelteilen zusammensetzen oder eine Kälteanlage aus einer Bauteilbibliothek gestalten.
Die überarbeitete Taxonomie nach Bloom ergänzt das um zwei Achsen: welche Art von Wissen vermittelt wird (Faktenwissen, konzeptuelles, prozedurales und metakognitives Wissen) und welcher kognitive Prozess gefordert ist, vom Erinnern und Verstehen über Anwenden und Analysieren bis zum Bewerten und Erschaffen. Damit wird sichtbar, welche Lernumgebung zu welchem Lernziel passt. Die CAD-Visualisierung eignet sich vor allem zum Verstehen von Aufbau und Funktion, die Simulationen zum Anwenden und Analysieren. Über die Lernziele, die sie erfüllen, fügen sie sich zu einer übergreifenden Lernreise zusammen. Dazu passt das Konzept der VR-Nuggets von Robin Horst und Ralf Dörner: kleine Wissenseinheiten, die gezielt nach immersiven Medien verlangen und in kleinen Portionen an verschiedenen Stellen einer Lernreise eingesetzt werden. Ein praktisches Beispiel lieferte der Swimlane-Ansatz des InnoVET PLUS-Projekts XR-Upskill, der AR- und VR-Inhalte entlang eines Lehrgangs einplant.
Ausprobieren: allein, gemeinsam, im selben Raum
Danach erhielt jeder Ausbilder einen temporären Zugang, und es ging los mit der CAD-Visualisierung im Einzelmodus. Ein Highlight war das Einschalten des Passthrough-Modus: Die Verdichtermodelle stehen plötzlich im realen Raum. Das hatte sofort die Aufmerksamkeit der Ausbilder. Als besonders gefragter Anwendungsfall erwies sich die gemeinsame CAD-Visualisierung im selben Raum, wie wir sie kurz zuvor beim Jubiläum der SCHAUFLER Academy erprobt hatten.

Ein Ausbilder hatte seine eigene Meta Quest 3 mitgebracht. Über einen privaten Release-Kanal in Metas Vertriebssystem war die App in wenigen Minuten auf seiner Brille installiert, ganz ohne APK-Datei. Ein dritter Ausbilder setzte ebenfalls eine Brille auf. Einer von ihnen eröffnete einen Multiplayer-Raum, die anderen traten bei, und zu dritt ging es an die kollaborative CAD-Visualisierung und Lecksuche in VR. Besonders viel Spaß machte es, Lecksuchspray ohne Ende zu versprühen, ohne dass die Dose leer wird. Ab und zu wurden auch die Messgeräte der anderen „ausgeliehen“.
Das Gäste-WLAN reichte nicht für kabelloses Streaming. Deshalb übertrugen wir das Bild einer Brille per Kabel über einen Laptop auf den Projektor. Der Multiplayer-Betrieb im selben WLAN lief dagegen reibungslos, denn die Vernetzung der App ist schlank ausgelegt.

Aus der Runde kam die Idee, den Verbrauch von Material in der Simulation zu begrenzen und für kontraproduktives Verhalten Punkte abzuziehen. Das passt gut zum Learning-Analytics-System der Lernumgebung, das wir ebenfalls kurz vorgestellt haben.
Wo passt XR in die überbetriebliche Ausbildung?
Nach dem Mittagessen entwickelte sich ganz von selbst ein Gespräch unter den Ausbildern: Wie lassen sich XR-Lerninhalte in die aktuellen Unterweisungspläne der überbetrieblichen Lehrunterweisung (ÜLU) einbinden, und wie in deren kommende Überarbeitungen? Dabei ging es auch um die Lernortkooperation mit anderen überbetrieblichen Bildungsstätten, mit Betrieben und mit Berufsschulen, mit ihren Möglichkeiten und Herausforderungen.
Gemeinsam haben wir besprochen, welche ÜLU-Lehrgänge am meisten von welchen Funktionen profitieren und wo der Lehrplan genug Spielraum bietet, um Neues ohne Risiko einzuführen. Ein Beispiel ist die Lecksuche im Lehrgang zu Dichtheitsprüfung und Kältemitteln (KK2): erst in VR üben und dann an der realen Anlage, oder umgekehrt erst an der Anlage und dann in VR wiederholen. Ein anderes Beispiel ist die Visualisierung von Verdichtern und Bauteilen im Montagelehrgang (KK3). Für die Ausbilder war dabei klar: Immersive Lerninhalte sollen die praktische Ausbildung ergänzen, nicht ersetzen.
Auch neue Funktionen und Szenarien kamen auf den Tisch, darunter:
- Regler und Druckschalter einstellen, prüfen und sehen, was eine falsche Einstellung anrichtet;
- Verbundanlagen und Supermarktkälte, auch mit CO₂;
- weitere Verdichterbauarten;
- einen Kältekreislauf vollständig zusammenbauen, wie in der Gesellenprüfung.
Ebenso wichtig war die organisatorische Seite einer Einführung: die Hygiene bei gemeinsam genutzten Brillen, Wartung und Pflege der Geräte und die Zahl der Brillen pro Standort und Lehrgang.
Inbetriebnahme mit verteilten Rollen und fühlbare Rückmeldung
Zum Abschluss zeigten wir eine noch unfertige Version des Service- und Inbetriebnahme-Szenarios live, mit vertauschten Rollen: Der Moderator stand in VR, und die Ausbilder leiteten ihn Schritt für Schritt mündlich an. Dabei kam die Frage nach der fehlenden Haptik auf. Wir erläuterten, wie wir haptische Rückmeldung gezielt gestalten wollen, visuell und über die Vibration der Controller. Außerdem führten wir haptische Handschuhe (bHaptics TactGlove DK2) mit einer Demo-App vor. Sie sollen ab dem ersten Quartal 2027 in der fertigen Lernumgebung erprobt werden.

Der Tag klang bei einem gemeinsamen Grillabend aus, mit viel Austausch und einem optimistischen Blick auf das, was mit XR2ACH in der Ausbildung möglich wird. Herzlichen Dank an Robert Heß, die Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik und alle Ausbilder für ihre Zeit, ihre Offenheit und ihre wertvollen Impulse!



